Seite wählen

Südamerika ist eine der Regionen, in der im großen Stil Pflanzen zur Herstellung von illegalen Drogen wie Heroin, Kokain oder Cannabis angebaut werden, um die fertigen Produkte weltweit gewinnorientiert zu vertreiben. Politische, polizeiliche und militärische Maßnahmen konnten dieses Treiben der Drogenkartelle nicht verhindern.

Deshalb forderten bereits 2009 die drei Ex-Präsidenten Fernando Henrique Cardoso aus Brasilien, César Gaviria aus Kolumbien und Ernesto Zedillo aus Mexiko die Legalisierung von illegalen Drogen, da aus ihrer Sicht der „Krieg gegen die Drogen“ verloren wurde.

Reagiert hat schließlich der ehemalige Guerillakämpfer und spätere Staatspräsident von Uruguay, José Mujica (2010 bis 2015). 2013 verabschiedete das Parlament in Uruguay ein Gesetz, wonach es Cannabiskonsumenten erlaubt wurde, Cannabis privat zum Eigenbedarf anzubauen. Umsetzungsprobleme verzögerten den Verkaufsstart mehrfach.

Uruguay hat aktuell 3,3 Millionen Einwohner. Bis Mitte Mai 2017 ließen sich für den “Hausanbau” (bis zu sechs Pflanzen) insgesamt 6650 Bürger registrieren. Zudem gab es 51 sogenannte „Social Cannabis Clubs“ mit je bis zu 45 Mitgliedern. Gemeinschaftlich werden dort Hanfpflanzen angebaut und jedem Mitglied ist eine Ertragsernte bis zu 480 Gramm pro Jahr zum Eigenkonsum gestattet.

Das Durchschnittsalter der registrierten Konsumenten liegt zwischen 30 und 44 Jahren. 30 Prozent von ihnen sind Frauen, 70 Prozent Männer.

Um den illegalen Drogenhandel – hier mit Cannabis – auszutrocknen, beschloss Uruguay nun als erster Staat weltweit, sowohl den Anbau als auch den legalen Verkauf der Droge staatlich zu organisieren.

  • Zwei Firmen betreiben im Auftrag der Regierung den Marihuana-Anbau bei Montevideo. Sie dürfen jeweils zwei Tonnen Marihuana pro Jahr erwirtschaften.
  • Erwerben kann man Marihuana nur dann, wenn man sich als Käufer/Käuferin registrieren lässt.
  • Konsumenten, die sich registrieren lassen wollen, müssen sich mit Hilfe eines elektronischen Fingerabdrucks identifizieren.
  • Registrieren können sich nur Uruguayer oder Ausländer, die schon seit mindestens einem Jahr in Uruguay leben.
  • Registrierte Nutzer können Mengen von bis zu zehn Gramm pro Woche erwerben.
  • Das Gramm Marihuana kostet in den autorisierten Apotheken knapp 1,30 Dollar – und wird dadurch deutlich günstiger angeboten als im Straßenverkauf.
  • Der Konsum am Arbeitsplatz, auf öffentlichen Plätzen oder am Steuer eines Kraftfahrzeuges ist verboten.

Schätzungen gehen dahin, dass dem sogenannten illegalen Markt dadurch mindestens sieben Millionen Dollar pro Jahr entzogen werden können.

Kritiker sehen vor allem Probleme bei der Kontrolle des legalen Verkaufs – es bestehe die Gefahr, dass das günstige Marihuana wieder illegal weiterverkauft werden könnte.

Präventionsprogramm Cannabis NRW: http://www.stark-statt-breit.de/